Der Streit ums Deutsche

Alfred Heuß und die Zeitschrift für Musik

Der Streit ums DeutscheMusik und Politik sind nicht erst in den diktatorischen Gesellschaftssystemen des 20. Jahrhunderts verhängnisvolle Beziehungen eingegangen. So belegt die vorliegende Studie über den in Gaschwitz bei Leipzig lebenden Musikschriftsteller Alfred Valentin Heuß (1877 – 1934), der die “Zeitschrift für Musik” in der “Weimarer Republik” zu einem Bollwerk gegen die Avantgarde und alles vermeintlich “Undeutsche” führte, daß die Musikideologie im NS-Staat nicht den Beginn, sondern den Gipfelpunkt einer längeren, folgenreichen Entwicklung darstellt. Der Geist, der die Artikel des Monatsblattes zunehmend prägt und besonders an den Rezensionen zeitgenössischer Werke abzulesen ist, beruht nicht auf differenzierter Analyse, sondern greift weitverbreitete Vorurteile auf. Sogenannte “killer-phrases” täuschen vor, die Ursachen komplex empfundener gesellschaftlicher Krisen zu erkennen und zu benennen; tatsächlich tragen die massensuggestiven wirkenden Scheinargumente jedoch zu einer dogmatischen Spaltung in “Gut” und “Böse” bei und richten schließlich in verhängnisvoller Weise über die Existenzberechtigung von Werken und deren Schöpfern